Die geheime Sprache: Beschwichtigungssignale Ihres Hundes verstehen
Aktualisiert am 15. Oktober 2026
Kurz gesagt: Beschwichtigungssignale sind kleine Gesten (Gähnen, Nase lecken, Blick abwenden, plötzliches Schnüffeln, Bogen laufen), mit denen der Hund zeigt, dass er sich unwohl fühlt, oder eine Spannung entschärft. Der Begriff stammt von der norwegischen Hundetrainerin Turid Rugaas. Man liest sie immer im Zusammenhang: Gähnen kann auch Müdigkeit bedeuten. Wenn Sie sie sehen, nehmen Sie Druck heraus: Lassen Sie Raum, wenden Sie den Blick ab, bieten Sie einen Ausweg.
Was ist ein Beschwichtigungssignal?
Bekannt gemacht durch Turid Rugaas, sind Beschwichtigungssignale (Calming Signals) unauffällige Verhaltensweisen, mit denen der Hund Unbehagen mitteilt und verhindert, dass eine Situation eskaliert. Eine Pilotstudie mit Hunden im Kontakt miteinander (Mariti et al., 2017) beobachtete, dass diese Signale vor allem bei engem Kontakt auftreten, häufiger gegenüber fremden Hunden, und dass sie die Aggression des Gegenübers zu verringern scheinen.
Die wichtigsten Signale
Gähnen
Ohne Müdigkeit oft ein Zeichen von Anspannung, zum Beispiel beim Tierarzt oder bei einer erzwungenen Umarmung.
Über die Nase lecken
Ein kurzes, schnelles Züngeln außerhalb der Mahlzeiten: ein häufiges Zeichen von Unbehagen.
Blick oder Kopf abwenden
Er vermeidet die direkte Konfrontation, um zu zeigen, dass er keinen Streit sucht.
Trocken schütteln
Als wäre er nass, nach einem stressigen oder aufregenden Moment: So „schüttelt“ er die Anspannung ab.
Annäherung im Bogen
Er läuft einen Bogen, statt geradewegs zuzugehen: eine höfliche, nicht bedrohliche Annäherung.
Verlangsamen, erstarren
Er bewegt sich wie in Zeitlupe oder bleibt stehen, um die Spannung zu senken.
Plötzlich am Boden schnüffeln
Genau dann, wenn ein Hund oder ein Mensch näherkommt: eine Art, die Aufmerksamkeit „umzulenken“.
Sitzen, hinlegen, Pfote heben
Sich klein machen oder zögern, um die Situation zu beruhigen.
Warum der Kontext alles ändert
Ein Hund, der gähnt, ist zwangsläufig gestresst.
FALSCHEr kann einfach müde sein. Zum Signal wird das Gähnen, wenn es in einer angespannten Situation zusammen mit anderen Anzeichen auftritt.
Ein Hund, der sich über die Nase leckt, hat vielleicht nur Hunger.
RICHTIGJa, rund um die Mahlzeiten ist das oft so. Den Unterschied machen die Wiederholung und die Situation.
Man sollte einen Hund schimpfen, der den Kopf abwendet, wenn man ihn ruft.
FALSCHVielleicht sagt er Ihnen, dass Ihr Tonfall oder Ihre Haltung ihn einschüchtert. Sprechen Sie sanfter und gehen Sie seitlich in die Hocke.
Der Schlüssel: Beobachten Sie den ganzen Körper (Ohren, Rute, Haltung, Maul) und ob sich die Signale wiederholen. Mehr dazu: Blick und Begrüßung lesen und Haltung, Maul und Rute deuten.
Wie reagieren?
- Druck herausnehmenBeenden Sie, was gerade passiert (aufdringliches Streicheln, Anfassen, zu nahe Begegnung).
- Raum gebenTreten Sie zurück, stellen Sie sich seitlich hin, wenden Sie selbst den Blick ab.
- Einen Ausweg bietenLassen Sie ihn weggehen, wenn er möchte. Beim Spaziergang wechseln Sie die Straßenseite oder kehren um.
- Leise sprechenEine ruhige Stimme, ohne Schimpfen. Ein Beschwichtigungssignal wird nie bestraft.
Beim Spaziergang hilft ihm eine lockere Leine, frei zu kommunizieren: Ein kurz und straff gehaltener Hund kann keinen Bogen laufen. Mit einer verstellbaren Leine können Sie ihm bei Begegnungen mehr Länge geben.
Häufige Fragen
Welche Beschwichtigungssignale gibt es beim Hund?
Gähnen, über die Nase lecken, Blick oder Kopf abwenden, trocken schütteln, Annäherung im Bogen, Verlangsamen, plötzliches Schnüffeln, Hinsetzen oder Hinlegen, Pfote heben.
Wer hat die Beschwichtigungssignale beschrieben?
Die norwegische Hundetrainerin Turid Rugaas hat sie mit ihrem Buch über die „Calming Signals“ bekannt gemacht. Wissenschaftliche Studien zum Thema gibt es bisher nur wenige.
Mein Hund gähnt, wenn ich ihn streichle – was tun?
Machen Sie eine Pause und lassen Sie ihn zu Ihnen zurückkommen, wenn er möchte. Kommt er nicht, wollte er in diesem Moment lieber nicht gestreichelt werden.
Kündigen Beschwichtigungssignale einen Biss an?
Nicht unbedingt, aber sie sind oft die ersten Anzeichen von Unbehagen. Werden sie ignoriert, können stärkere Signale folgen: Erstarren, Knurren, dann ein Biss.
Quellen
- Rugaas T. (2006). On Talking Terms with Dogs: Calming Signals. 2. Aufl., Dogwise.
- Mariti C. et al. (2017). Analysis of the intraspecific visual communication in the domestic dog: a pilot study on the case of calming signals. Journal of Veterinary Behavior 18, 49-55.